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Vorwort von Arndt Richter

Goethe-Genealogie online! Die AMF-Mitglieder Horst Hesse † und Günther Unger eröffneten im Januar 1999 mit der Internetseite "Goethes Herkunft aus dem Kyffhäuserkreis" auch familienkundlich das Goethe-Gedächtnisjahr (1. Ausgabe vom 11.1.1999).

In den letzten 170 Jahren haben zahlreiche Forscher in mühevoller Kleinarbeit sehr viel Material zur Goethe-Genealogie zusammengetragen. Die Goethe-Genealogie war in der wissenschaftlichen Genealogie und ihren Nachbarwissenschaften (z.B. Genetik) oft ein Praxis- und Statistik-Modell und manchmal auch ein Beispiel für theoretisch-genealogische Gedanken.

Goethes Ahnenschaft ist in der Tat ein "Paradebeispiel": Sind in Goethes Ahnentafel (AT) doch fast alle Gesellschaftsschichten vertreten - vom einfachen Bauernstand über Klein- und Großbürgertum und Kleinadel bis zum hohen Dynastenadel auf der mütterlichen AT-Seite. Auch die geographische Verteilung der Ahnenschaft ist breit gefächert. Hochinteressant ist zudem die geographische Ausbreitung der Nachkommenschaft der Ahnengeschwister Goethes in den einzelnen Generationen (Seitenverwandtschaft) und ihre soziologischen Veränderungen!

Goethe u. Alma  
 
Goethe mit seiner Enkelin Alma
Stich im Goethehaus Frankfurt a. Main nach Originalzeichnung von O. Wisnieski.
Wiedergegeben bei Siegfried Rösch: "Goethes Verwandtschaft" (1956)
Außer einer Lithographie um 1825 "Goethe mit seinen Enkeln im Hausgarten in Weimar" und den Seekatzschen Gartenidyllen von 1763 im Goethehaus Frankfurt am Main ist dies das einzige dem Verfasser (S. Rösch) bekannte Bild, das Goethe im Zusammenhang mit seiner Familie zeigt.

Hauptimpulse für die Goethe-Forschung waren oft rein persönliche Verwandtschaftsbeziehungen der Forscher zu Goethe-Ahnen (Ahnengemeinschaften) oder zur engeren Heimat einiger Goethe-Ahnen. Auch die beiden wohl größten Goethe-Genealogen konnten persönlich Ahnengemeinschaften zu Goethe nachweisen!

Der eine, der Marburger Archivdirektor Dr. Carl Knetsch (1874-1938), machte sich besonders verdient um das Erforschen, Zusammenstellen und Veröffentlichen der gesamten Goethe-Ahnentafel (1908, 1932). Der andere, der Naturwissenschaftler Prof. Dr. Siegfried Rösch (1899-1984), der über 50 Jahre lang in der Goethe-Stadt Wetzlar wirkte, bereicherte die genealogische Wissenschaft 1956 mit dem imposanten Buch "Goethes Verwandtschaft. Versuch einer Gesamtverwandtschaftstafel mit Gedanken zu deren Theorie". Dieses über 450 Seiten starke Buch enthält über 5000 (!) Nachkommen von Goethes 16 Ururgroßeltern (Ahnen-Nrn. 16-31), deren weltweite Ausbreitung Rösch vielfach bis zur Gegenwart der 40/50er Jahre genealogisch nachweisen konnte.

Im übrigen:

Auch Günther Unger, unser "AMF-Internet-Mann", wurde in Artern/Thüringen geboren, wo die Ururgroßeltern Göthe ansässig waren.

Visionär und hochaktuell im Zeitalter der europäischen Gemeinschaft und globalen Vernetzung sind wohl die nachfolgenden Sätze, die Rösch 1954 im Rahmen einer Ankündigung seines Buches äußerte:

"So darf das demnächst erscheinende Goethe-Verwandtschaftsbuch vielleicht hoffen, nicht bloß durch seinen Dateninhalt neues Material zu bringen, sondern auch der Forschung selbst generelle neue Impulse zu geben mit dem Ziel, ein Ziehen am gleichen Strang zu fördern, und eine "europäische Gemeinschaftsgenealogie" einzuleiten. Ein solches Unternehmen, zu dem große Organisationen wie der "ALA" der Dresdener "Deutschen Ahnengemeinschaft" oder umfangreiche Stammtafelsammlungen nur Beiträge (allerdings sehr erwünschte und höchst notwendige!) bilden, wäre wohl wert, die Zukunftsaufgabe einer neuen "genealogischen Zentralstelle" darzustellen! ..... Der Gedanke hat vielleicht etwas Schönes an sich, dass somit praktisch unsere gesamte Kulturmenschheit mit der Zeit in einen genealogischen Zusammenhang, um Goethe gruppiert, sich bringen ließe."

Diese fast schwärmerischen Zukunftsgedanken mögen im Goethe-Gedächtnisjahr 1999 auch eine kleine genealogische Hommage an diesen außergewöhnlichen Menschen zu seinem 100. Geburtstag sein! Mit einem Rösch-Link in meiner "GeneTalogie"-Homepage habe ich im Frühjahr d.J. bereits erinnernd darauf hingewiesen. Der Rösch-Aufsatz, der dort online steht ("Gedanken zur Genealogie - Die Genealogie auf dem Wege von der beschreibenden zur exakten Wissenschaft"), lässt den Menschen und geistigen Brückenbauer zwischen Geistes- und Naturwissenschaften hindurchleuchten. Der Regenbogen war ihm - wie Goethe!- Brückensymbol.

Der spiegelt ab das menschliche Bestreben.
Ihm sinne nach, und du begreifst genauer:
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.

Regenbogen

(Faust. 2.Teil, Vers 4725 f.)

Siegfried Rösch war auch Nestor der wissenschaftlichen Farbenlehre in Deutschland!

Die AMF hat durch die online-Aufnahme eines Verzeichnisses aller genealogischen Rösch-Veröffentlichungen im Rahmen ihrer Literaturdatenbank Rösch bereits gewürdigt. Diese Bibliographie soll in Kürze auch noch in einer AMF-Schriftenreihe erscheinen.

Mit Röschs schöner Vision verbinde ich hier die weitere Hoffnung, dass Einzelpersonen und genealogische Vereine aus der so umfangreichen Goethe-Literatur bald noch manches zusammenstellen mögen und dann auch mitwirken, dass unsere Internetseite aus Goethes Kyffhäuser-Landschaft noch mit anderen Seiten "verlinkt" werden kann, die sich auf Goethes Ahnenschaft aus den übrigen deutschen Regionen und anderen AT-Sektoren Goethes beziehen.

Vielleicht geht dann etwas von der Zuversicht Röschs - im Sinne moderner Internet-Strukturen! - in Erfüllung, die er seinem Goethe-Buch als Mineraloge und Kristalloptiker vor 44 Jahren mit auf den Weg gab:

"Es mag die Rolle eines Kristallkeimes spielen, um den sich nach und nach Schichten aus anderen Nährlösungen legen, woraus später einmal ein wohlgestaltetes klares Kristallindividuum, ein Mikrokosmos, erwachsen kann."
Ein solches Forschungsergebnis zeigen hier besonders drei Grafiken:

Verwandtschaftliche Verflechtung der Goethe-Ahnen im Rahmen der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte

Goethe-Ahnenfamilien - Ein Auszug: Ahnentafel Wernher von Braun 1912-1977
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Deutsche Kultur- und Geistesgeschichte in Ahnengemeinschaften
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Streifzüge im 14. bis 16. Jahrhundert durch Ahnentafeln namhafter "Dichter und Denker"
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Erläuterungen zu der 
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